Grosse Betroffenheit

Bischöfin und Ratvorsitzende Dr. Margot Käßmannn tritt zurück


Heute ist Dr. Margot Käßmann von allen ihren kirchlichen Ämtern zurückgetreten. 10 Jahre war sie Bischöfin der Hannoverschen Landeskirche und seit 4 Monaten Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Superintendent Dr. Ralph Charbonnier schreibt in seiner Email an die Pastorinnen und Pastoren, Mitarbeiterinnen und Mitabeiter im Kirchenkreis Burgdorf:

"... Es ist schwer zu begreifen, dass ihr segensreiches Wirken in unserer Kirche und in der EKD durch ihr fehlerhaftes Handeln am Samstag-Abend zu Ende sein soll. Ich glaube, dass trotz allem in der Hannoverschen Landeskirche eine breite Vertrauensbasis vorhanden ist, weil sie in den letzten Jahren vielen Menschen eigene, neuartige Zugänge zum Glauben eröffnet hat.

Sie hat nun so entschieden. Wir können diese Entscheidung nur im Gebet vor Gott bringen und hoffen, dass Gott durch diese Entscheidung Segen für Frau Käßmann und unsere Kirche bereit hält. Es bleibt ein Hoffen ohne ein Ahnen
über das, was dieser Schritt bedeuten wird. Es bleibt das Vertrauen in Gott, der uns begleitet in allen unseren Entscheidungen."


Wortlaut der Presseerklärung der Hannoververschen Landeskirche:

"... Die Landeskirche respektiert den Entschluss der Landesbischöfin und hat hohen Respekt davor, wie sie zu ihrer Verantwortung steht und entscheidet.

Die Landeskirche bedauert es sehr, dass die gute und erfolgreiche Zeit mit Landesbischöfin Dr. Käßmann nun zu Ende geht und empfindet als es als großen Verlust, dass die Landesbischöfin nicht mehr für die Arbeit in der Landeskirche zur Verfügung steht.

Wir sind dankbar für sehr Vieles, was die Landesbischöfin in ihrer Leitung und Verkündigung für die Landeskirche geleistet hat. Sie hat unsere Kirche in wichtigen Arbeitsfeldern und bei vielen aktuellen Themen entscheidend vorangebracht. Es war ihr unbedingtes Anliegen, mit dem Evangelium mitten in der Welt präsent zu sein und den Verkündigungsauftrag der Kirche öffentlich wahrzunehmen. Dadurch hat sie viele Menschen angesprochen, sie mit der Botschaft des Evangeliums erreicht und neues Vertrauen zur Evangelischen Kirche geweckt."

Dankbar sind wir auch für die vertrauensvolle und verlässliche Zusammenarbeit in den letzten zehneinhalb Jahren in den Leitungsgremien der Landeskirche.

Wir wünschen Frau Dr. Käßmann für ihren weiteren Lebensweg Gottes Segen.
Unsere guten Wünsche werden sie in der kommenden Zeit begleiten."


Die Rücktrittserklärung von Margot Käßmann im Wortlaut:

"Am vergangenen Samstag habe ich einen schweren Fehler gemacht, den ich zutiefst bereue. Auch wenn ich ihn bereue und mir alle Vorwürfe, die in dieser Situation berechtigter Weise zu machen sind, gemacht habe: Mir selbst, kann und will ich nicht darüber hinwegsehen, dass das Amt und meine Autorität als Landesbischöfin sowie als Ratsvorsitzende beschädigt sind.

Die Freiheit, ethische und politische Herausforderungen zu benennen und zu beurteilen, hätte ich in Zukunft nicht mehr so wie ich sie hatte. Und die harsche Kritik, etwa an einem Predigtzitat wie „Nichts ist gut in Afghanistan“, ist nur durchzuhalten, wenn persönliche Überzeugungskraft uneingeschränkt anerkannt wird.

Einer meiner Ratgeber hat mir gestern ein Wort von Jesus Sirach mit auf den Weg gegeben: „Bleibe bei dem, was Dir dein Herz rät“. Und mein Herz sagt mir ganz klar: Ich kann nicht mit der notwendigen Autorität im Amt bleiben. So manches, was ich lese in den letzten Tagen, ist mit der Würde des Amtes nicht vereinbar. Aber mir geht es neben dem Amt auch um Respekt und um Achtung vor mir selbst, und um meine eigene Geradlinigkeit, die mir viel bedeutet. Hiermit erkläre ich, dass ich mit sofortiger Wirkung von allen meinen

kirchlichen Ämtern zurücktrete. Ich war mehr als zehn Jahre mit Leib und Seele und sehr gerne Bischöfin, und habe auch all meine Kraft in dieses Amt gegeben. Ich bleibe Pastorin der hannoverschen Landeskirche. Ich habe 25 Jahre nach meiner Ordination vielfältige Erfahrungen gesammelt, die ich gerne auch in Zukunft an anderer Stelle einbringen werde.

Es tut mir leid, dass ich viele enttäusche, die mich dringend gebeten haben, im Amt zu bleiben. Und die mich auch vertrauensvoll in meine Ämter gewählt haben. Ich danke allen Menschen, die mich so wunderbar getragen haben indiesen letzten Tagen mit Grüssen, EMails, SMS und auch Blumen, die alle meiner Seele sehr, sehr gut getan haben. Dem Rat der EKD danke ich besonders, dass er mir gestern Abend ausdrücklich das Vertrauen ausgesprochen hat. Ich danke allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der hannoverschen Landeskirche und der EKD, die mich haupt- und ehrenamtlich unterstützt haben. Insbesondere danke ich meinem allerengsten Team, das mir in so manchem Sturm die Treue gehalten hat. Ich danke allen Freundinnen und Freunden, allen guten Ratgebern, auch in diesen Tagen, und ich danke meinen vier Töchtern, dass sie diese Entscheidung so klar und deutlich mittragen und heute auch hier mit anwesend sind, was nicht selbstverständlich ist.

Zuallerletzt: Ich weiß aus vorangegangenen Krisen: Du kannst nie tiefer fallen als in Gottes Hand, und für diese Glaubensüberzeugung bin ich auch heute dankbar."