Zum Sonntag

Kleine Festminuten nach dem Fastenbrechen


Susanne Paul ist Pastorin in der Kirchengemeinde Ehlershausen-Ramlingen-Otze

„Ach, Sie Arme!“ Solche Ausrufe haben die zwölf Frauen aus der Fastengruppe in Ehlershausen öfter gehört. „Dass Sie so gar nichts essen, das muss doch schrecklich sein.“ Am Anfang haben das viele von uns auch gedacht. „Nichts essen, das geht doch gar nicht. Da werden wir bestimmt deprimiert und unzufrieden sein.“ Weit gefehlt.

Es waren ganz besondere Tage, diese knapp zwei Wochen, in denen wir uns vorbereitet und dann gemeinsam gefastet haben. Es hat uns gut getan, ganz bewusst auf das Essen zu verzichten und unsere Gedanken auf anderes zu lenken. Statt „Was koche ich heute?“ die Frage „Was brauche ich für meine Seele?“zum Beispiel. An die Nahrung für den Körper denken wir schon, wenn auch manchmal in Eile und Hektik. Aber die Nahrung für die Seele?

Dazu gehört auch, sich Zeit zu nehmen, zum Denken und Ruhen, aber auch zum miteinander bewegen, zum gegenseitigen Austausch, zur Andacht und zum Gottesdienstbesuch. Wir haben uns diese Zeit genommen, ganz bewusst, und ganz intensive Erfahrungen gemacht. Zu spüren, wie die Sinne ganz geschärft werden, wie Gedanken ins Fließen kommen, der Blick auf das eigene Leben ein ganz besonderer wird.

Und dann das Fastenbrechen zu Ostern. Ein Stück Apfel, ganz intensiv genossen, der erste Schluck Milchkaffee – vorher Selbstverständlichkeiten, nun kleine Festminuten. Da wurde auf ganz neue Weise spürbar, dass das, was uns am Leben hält, nicht selbstverständlich ist, sondern ein Geschenk, das es verdient, genussvoll ausgepackt zu werden. Auch das ist ein Stück lebendig gewordenes Ostern.