Zum Sonntag

Gottes Liebe gilt nicht nur den Schönen


Karin Lawrenz-Maier ist Diakonin in der St.-Johannes-der-Täufer-Kirchengemeinde in Uetze.

Schön gemacht haben sich die Jugendlichen, die am Sonntag feierlich zu ihrer Konfirmation in die Kirche einziehen. Einige hatten Spaß daran, sich richtig herauszuputzen, für andere ist es eine Quälerei.

Nun sind die Blicke der ganzen Gemeinde auf sie gerichtet. Ja, wenn man in die Öffentlichkeit tritt, kann man sowohl Anerkennung als auch Kritik ernten.

Vergangenen Sonntag sah ich ein Interview mit der französischen Schauspielerin Catherine Deneuve. Sie gilt als eine der schönsten Frauen des Films. Auf die Frage, ob sie stolz auf ihr Aussehen sei, antwortete sie: „Mein Aussehen ist ein Geschenk, ein Privileg. Ich kann darauf nicht stolz sein, denn es ist nicht mein Werk, nicht meine Leistung. Schönheit ist für mich ambivalent.“

Sympathien bringen wir schneller und großzügiger Menschen entgegen, deren Äußeres uns gefällt. Aber Schönheit ist ungerecht verteilt, und sie ist auch nur das Erscheinungsbild eines Menschen. Deshalb können Komplimente auch verunsichern.

Ein beliebter Konfirmationsspruch heißt: „Fürchte Dich nicht, ich habe Dich erlöst, ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen, Du bist mein.“ In diesen Worten aus Jesaja 43, 1 wird klar: Gott liebt anders. Seine Liebe gilt nicht nur den Schönen, sondern allen und mir ganz persönlich. Sie gilt dem Kern meines Wesens. Gott sieht das, was anderen verborgen bleibt, meine großen Schwächen, aber auch meine ureigene Schönheit. Beides ist bei ihm gut aufgehoben.

Der Glaube an die uneigennützige Liebe Gottes befreit und macht uns unabhängiger von der eingeschränkten Sicht der anderen und ihrer Bewertung. Sie schenkt uns die Freiheit, uns wertzuschätzen und so zu handeln, wie es Gott und wie es uns selbst gefällt.

Zum Nachlesen
Das Buch Jesaja, Kapitel 43.