Zum Sonntag

Wie beschränkt doch unser Wissen ist


Friedrich Kanjahn ist Pastor der Kirchengemeinde in Dollbergen und Schwüblingsen.

Wie beschränkt unser Wissen ist, hat sich in den jüngsten Tagen deutlich gezeigt. Der Vulkan Eyjafjallajökull auf Island hat mit seinem Ausbruch eine große Wolke von Vulkanasche ausgestoßen und über ganz Europa ausgebreitet. Die Folgen haben alle spüren müssen, die in den vergangenen Tagen einen Flug gebucht hatten: Nichts ging mehr. Zunächst wurde der Luftraum für einen Tag gesperrt, dann für das ganze Wochenende, dann für weitere Tage – allmählich wird das Fliegen wieder erlaubt. Zigtausende von Flugreisenden saßen in Flughäfen fest, Urlauber konnten nicht rechtzeitig heimkehren, Züge waren überfüllt. Selbst Politiker mussten zusehen, wie sie ihre Termine einhalten konnten, trotz Flugverbot. Kritiker des Verbots meldeten sich zu Wort, sprachen von erheblichen Einbußen für die Volkswirtschaft.

Ein merkwürdiges Phänomen: Ein einziger Vulkan auf Island, also recht weit von uns entfernt, genügt, um einen Teil des Lebens mitten in Europa lahmzulegen. Das Wissen, das wir Menschen so sehr schätzen, muss doch sehr begrenzt sein. Denn die Auswirkungen der Wolke konnten nur abgeschätzt, nicht aber sicher belegt werden. Mich macht diese Erfahrung nachdenklich: „Ich glaube nur, was ich sehe.“ Die Vulkanaschewolke konnte niemand sehen, und doch wurde vor ihr gewarnt. Weil Experten vermuten mussten, dass von dieser Wolke massive Gefahr ausgeht.

Könnte es sein, dass wir unser Wissen überschätzen, und erst in Extremsituationen feststellen (müssen), wie wenig wir wirklich wissen? Dann tun wir besser daran, aufmerksamer zu leben, offen für Erfahrungen, die unseren Alltag übersteigen oder infrage stellen. Solche Erfahrungen wollen uns sensibel für Gott machen, für seine Spuren, die uns überall begegnen können. So wie es schon in einem Psalm der Bibel heißt: „Der Himmel verkündet es: Gott ist groß!“

Zum Nachlesen
Psalm 19, Vers 2a