Zum Sonntag

Löwenzahn erinnert an unser Leben


Foto: W. Hornig

Ob Unkraut oder Wildkraut – ich mag das Gelb seiner Blüte. Ich meine den Löwenzahn. Im Wonnemonat Mai wird mir die Natur manchmal zu einem Gleichnis für Gottes Geschichte mit den Menschen. Wenn Jesus nicht durch Palästina gewandert wäre, sondern durch Niedersachsen, er hätte sicherlich den Löwenzahn in einem Gleichnis verewigt – und nicht nur die Lilien.

In diesen Tagen blüht der Löwenzahn – zum Ärger für die einen, zur Freude für die andern. Auf manchen Wiesen leuchten die gelben Blüten im Licht der goldenen Sonne wie um die Wette; in der Nacht ziehen sich die Blüten zusammen. Lange wird es nicht dauern, dann verwandelt sich der gelbe Löwenzahn. Aus ihm wird die Pusteblume. Nun treibt der Wind die Samen wie kleine Sterne über das Land. Zurück bleibt ein grüner Stängel mit einem kleinen weißen Kopf.

Dieses Wachsen, Blühen, Reifen und Vergehen ist wie ein Gleichnis. In unserem Leben leuchten wir Menschen durch das, was wir sind und was wir tun. Und wenn ein anderer es gut mit mir meint, dann strahle ich.

Doch auch die Verwandlung des Löwenzahns trifft auf uns zu: Auf die Geschichte unserer Erde bezogen, ist das eigene Leben verdammt kurz. Wie schnell ist es im Rückblick der Jahre verblüht. Und doch: Auch wenn man im Alter nicht mehr knallgelb blüht, man ist dennoch lebendig mit den und trotz der weißen oder grauen Haare. Vielleicht blüht in den Kindern und Großkindern etwas von meiner Lebensgeschichte auf, wenn ich schon lange nicht mehr da bin.

Und im Alter – vielleicht auch belastet mit Krankheit und Sorgen – darf ich darauf vertrauen, dass Gott die Samen meines Lebens wie kleine Sterne in die nahe oder auch weite Welt schickt.

Viele Kinder und Enkelkinder werden in diesen Wochen konfirmiert. In ihnen soll der Samen des Glaubens aufgehen.


Johann Christophers ist Pastor der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Ilten-Bilm-Höver