Schüler trommeln sich frei

Trommelworkshop im Paulus-Gemeindezentrum


Wo sonst Raum für Stille und Andacht ist, wird seit Kurzem getrommelt. Einmal in der Woche, immer montags, haben zwölf Kinder von sieben bis zwölf Jahre im Gemeinderaum Unterricht auf afrikanischen Schlaginstrumenten.

„Die Kinder kommen nach Schulschluss mit einer großen inneren Spannung zu uns. Darum habe ich nach Wegen gesucht, wie dieser Druck kanalisiert werden könnte“, sagt Doris Lehrke-Ringelmann, die das Hausaufgabenhilfe-Team der Paulusgemeinde leitet.

Die Anschaffung eines Boxsackes war die erste Maßnahme, damit die Kinder sich austoben können. Die Pädagogin stellte außerdem einen Förderantrag beim Landesamt für Soziales. Aus dem Fonds für Integrationsprojekte in sozialen Brennpunkten wurden 5000 Euro bewilligt.

Das genügte für die Anschaffung von zehn Trommeln und ein Workshop-Angebot mit Christoph Hempel von der Trommel-Akademie Peine. Der Sozialwissenschaftler hat das afrikanische Trommeln in Tansania gelernt, wo er sechs Jahre seiner Kindheit verbrachte. Sein Vater war Missionar. 1971 kehrte die Familie nach Deutschland zurück.

Hempel hat die Gruppe gut im Griff. Er trommelt einen bestimmten Rhythmus und fragt dann in die Runde: „Was rufe ich gerade?“ „Leise“, antworten die Kinder im Chor. „Trommeln fördert die Konzentrationsfähigkeit, das Miteinander und ein Gefühl für Fremdes“, sagt Hempel.

„Die Kinder lernen, Rücksicht aufeinander zu nehmen. Trommeln, wenn andere dran sind, ist nicht erlaubt“, betont Lehrke-Ringelmann. Nicht nur der Geist werde beim Trommeln trainiert, sondern auch der Körper. Schon jetzt fiebern die jungen Trommler ihrem ersten Auftritt entgegen. Auf dem Burgdorfer Oktobermarkt werden sie auf der Bühne stehen.

aus:
Hannoversche Allgemeine Zeitung
Anzeiger für Burgdorf und Uetze
vom 4. Juni 2010
Red. Sybille Heine, Burgdorf